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Auf zwei Brettern ins Glück

Vor rund drei Jahren stand ich, als ehemalige Alpinskiläuferin, zum ersten Mal auf Langlauf-Skiern. Wer sich noch nie auf diesen etwas unhandlichen, langen Brettern durch den Schnee bewegt hat, könnte denken, es handelt sich um einen Sport für die Generation Ü60. Weit gefehlt. Mittlerweile rutschen immer mehr Kids, Teenager und Leute über 30 munter in den Loipen herum. Um die Technik von Grund auf zu lernen und mich nicht völlig zu blamieren, nahm ich damals an einem Tages-Langlauf-Skikurs teil. Es hat mir richtig viel Spaß bereitet. Allerdings fand ich meine Geschwindigkeit eher mittelmäßig. Es konnte doch nicht sein, dass mich Renter in kleinen, strammen Schritten einfach stehen ließen. Irgendwie fühlte sich mein Ego dadurch etwas angekratzt. Also übte ich noch zwei Mal, verteilt auf die letzten beide Jahre. Nicht wirklich viel. Leider schaffte ich es mangels Zeit und Schnee nicht öfter.

Dieses Jahr wollte ich es daher wieder anpacken und meine eher bescheidenen Kentnisse in einem weiteren Skikurs optimieren. Ich erzählte einer lieben Freundin von meinen Plänen und freute mich, dass auch sie Lust darauf hat. Gemeinsam mit vielen anderen motivierten Anfängern und Fortgeschrittenen meldeten wir uns für zwei Sonntags-Kurse Ende Januar an. Mit einem größeren Reisebus ging es beim ersten Mal nach Lenggries und beim zweiten Mal nach Fischbachau. Wir hatten Glück mit unserer Gruppe und lernten, unterbrochen von fröhlichem Lachen, wie man sich am besten mit seinen Skiern abstößt, um anschließend mit Speed in der Loipe weiter zu gleiten. Obwohl ich mich sehr konzentrierte, um endlich schneller zu fahren, blieb mir genug Zeit, um die wunderschöne Landschaft zu genießen.

Entgegengesetzt der Voraussage des Wetterberichtgs, riss es im Laufe des Tage immer mehr auf. Auf blauem Himmel tanzten verzückt weiße Wölkchen und machten der Sonne großzügig Platz. Erfreulicherweise konnte ich meine Technik tatsächlich verbessern und bewegte mich recht geschmeidig auf meinen Langlaufskiern. Allmählich stellte sich eine Symbiose zwischen meinen Beinen, den Brettern, meinem Oberkörper, den Armen und Stöcken ein. Erst, wenn alle Bewegungen fließen und eine Einheit bilden, klappt es mit einer schnelleren, synchronen Fortbewegung. Es hat so viel Spaß gemacht, dass die bevorstehende Mittagspause fast ein bisschen gestört hat. Allerdings hat mir mein Appetit auf die leckeren Spinatknödel mit Buttersauce etwas anderes signalisiert.

Nachdem wir nur noch rund 1,5 Stunden Zeit hatten, bis der Bus wieder abfuhr, wagte ich mich am Nachmittag sogar in die Fortgeschrittenen-Gruppe. Ich suchte eine kleine Herausforderung. Tja, davon sollte ich dann auch reichlich bekommen. Im Gegensatz zu den Anfängern, die viele Pausen einlegten und in langsamen Tempo liefen, fuhren die Fortgeschrittenen sehr rasant und machten keine Pausen – bis auf die Minipäuschen, wenn sich die Loipen kreuzten. Das Ganze war zwar anstrengend, machte mich allerdings auch ziemlich glücklich. Niemals hätte ich am Vormittag gedacht, nachmittags den Kurs zu wechseln. Selbst wenn die anderen (noch) schneller fuhren als ich, hab ich den Dreh jetzt auf jeden Fall besser raus. Meine Freundin genoß den Tag auch sehr und auf der Rückfahrt im Bus breitete sich eine wohltuende Ruhe unter den Langläufern aus. Alle hatten Spaß und ließen sich nun relaxt nachhause chauffieren. Was für ein herrlicher Sonntag.

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