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Kleine Seelenauszeit auf einem Berggipfel

Neulich spürte ich mal wieder diese eigenartige Gefühlsmischung aus ein bisschen zu viel Gedankenkarussell und einer Prise voller Ungewissheit. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas seltsam, kommt in meinem Leben allerdings im wieder Mal vor. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mit dieser Herausforderung möglichst entspannt umzugehen. Dabei ist das Rezept eigentlich ganz simpel und stets gleich – zumindest in meinem Fall. Es hat immer etwas mit körperlicher Bewegung und Natur zu tun.

Also raus ins Grüne, auf einen schönen, bayerischen Aussichtsberg oder mit dem Moutainbike ordentlich in die Pedale treten. An jenem Tag war es Zeit, meiner Seele die ersehnte kleine Auszeit zu schenken. Dabei lassen sich auch wunderbar die etwas mickrigen Energiespeicher auffüllen. Als kleiner Bergfex entschied ich mich kurzfristig für eine abwechslungsreiche Wanderung auf den Breitenstein. Einem überaus beliebten Berg bei den Münchnern und am Wochenende sicherlich keine Freude, ihn gemeinsam mit lärmenden Menschenhorden zu besteigen.

Das Glück war auf meiner Seite und ich zog an einem warmen Juli-Dienstag, also mitten unter der Woche, los. Laut Wetterbericht sollte es der heißeste Tag der Woche werden, was ein Synonym für frühes, also wirklich frühes, Aufstehen war.

Obwohl mich der Wecker eigentlich erst um 06:30 Uhr wecken sollte, wachte ich bereits eine ganze Stunde früher auf. Einen kurzen Moment zögerte ich und wollte gemütlich weiterschlafen. Doch mein innerer Motor war stärker und ich stieg gut gelaunt aus dem Bett. Nachdem ich bereits am Vorabend den Proviant hergerichtet hatte und mein Rucksack mit Getränken, Windjacke und nützlichen Utensilien gepackt war, saß ich eine halbe Stunde später im Auto, auf dem Weg ins Gebirge.

Mein Herz hüpfte vor Freude, als sich mir auf der Autobahn die Alpen zeigten, eingehüllt in tiefes Blau, ohne ein einziges Wölkchen am Himmel. Allein die Vorstellung, bald auch da oben, auf dem Gipfel zu sitzen, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, wie es sonst nur Verliebte haben.

Blick vom Breitenstein auf den Wendelstein (links im Bild)

Am Parkplatz konnte ich unter vielen freien, Schattenplätzen wählen – Luxus pur. Mit einem Dauergrinsen stapfte ich den steinigen Weg nach oben, während Tautropfen über meine Waden liefen. Vögel stimmten leise Lieder an und der Wald bot mir lange Zeit wohltuenden Schatten.

Da zeigte sich ein Mal mehr, dass sich das frühe Aufstehen lohnt, zumal mir aufwärts tatsächlich nur ein einziges Pärchen begegnte. Grund genug für meinen Körper die Endorphine Cha-Cha-Cha tanzen zu lassen. Im letzten Weg-Drittel, was sich fast baumlos aufwärts schlängelte, wärmte mich die Sonne, und wurde gleichzeitig sanft von einem kühlen Lüftchen abgekühlt.

Glückliche Almkühe freuen sich über saftige Wiesenkräuter

Oben angekommen, konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich saß fast ein Viertelstündchen ganz alleine am Gipfelkreuz und saugte diesen atemberaubend schönen Blick auf saftig grüne Täler, schneebedeckte Berge, grasende Kühe und diesen wahnsinnig blauen Himmel tief in mir auf.

Gestärkt von einer ausgiebigen Brotzeit packte ich meinen Rucksack zusammen und trat den Rückweg an. Entspannt marschierte ich die sonnigen Serpentinen nach unten und begegnete ein paar Wanderern, die bei der mittlerweile starken Sonneneinstrahlung schwitzend gen Gipfel stiegen.

Nach dieser wundervollen Bergwanderung fühlte ich mich vollkommen frei und voller Energie und Zuversicht. Vergessen waren Stress und dunkle Gedankenwolken.

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