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Du – Wunderschönes, inspirierendes Liebesgedicht von Erich Fried

Du

Wo keine Freiheit ist
Bist du die Freiheit
Wo keine Wuerde ist
Bist du die Wuerde
Wo keine Waerme ist
Keine Naehe von Mensch zu Mensch
Bist du die Naehe und die Waerme
Herz der herzlosen Welt

Deine Lippen und deine Zunge
Sind Fragen und Antworten
In deinen Armen und deinem Schoss
Ist etwas wie Ruhe
Jedes Fortgehenmuessen von dir
Geht zu auf das Wiederkommen
Du bist ein Anfang der Zukunft
Herz der herzlosen Welt

Du bist kein Glaubensartikel
Und keine Philosophie
Keine Vorschrift und kein Besitz
An den man sich klammert
Du bist ein lebender Mensch
Du bist eine Frau
Und kannst irren und zweifeln und gutsein
Herz der herzlosen Welt

„Als ich dieses zu Herzen gehende Gedicht von Erich Fried gelesen habe, entfuhr mir ein kleiner Seufzer. So viele zärtliche Worte eines Mannes, gerichtet an seinen Lieblingsmenschen. Nachdem er ihre Vorzüge in den wärmsten Farben gepriesen hat, kam er wieder zurück auf den Boden. Er gestand ihr zu, dass sie sich auch mal irren darf oder an etwas zweifeln. Als lebender Mensch und letztlich nicht als abgehobener Engel, der immer völlig fehlerfrei sein soll, was in einer Beziehung unmöglich ist und einen immensen Druck aufbauen würde. Obwohl Erich Fried während der Nachkriegszeit als österreichischer Schriftsteller mit seiner politischen Lyrik bekannt wurde, waren seine Leser begeistert von seiner Liebeslyrik.“

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